Geschichte des Bergbaues in der Aalener Bucht

Eine kurze Zusammenfassung von Karl-Heinz Bauer

Urkunde von Kaiser Karl IV (© )

Schon in vorgeschichtlicher Zeit lassen sich Vorläufer des Hüttenwesens im Raum Aalen bei Tauchenweiler (Gemeinde Essingen) nachweisen. Einen bedeutsamen Markstein in der Entwicklung der mittelalterlichen Eisengewinnung bildet die Verleihung des Bergbauregals durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1365 an Graf Ulrich d. J. von Helfenstein für das Gebiet an Brenz und Kocher. Zu einem Zentrum mittelalterlicher Eisenverarbeitung entfalteten sich die Hütten des Zisterzienserklosters Königsbronn, das ebenfalls aus einer Urkunde Karls IV. von 1366 das Recht herleitete, Eisen zu graben und zu verhütten. Da das Klosterterritorium keine eigenen Erzvorkommen aufwies, entstanden die Aalener Gruben am "Burgstall" links des Kochers und am "Roten Stich" beim Grauleshof.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden die Schmelzhütten in Ober- und Unterkochen, die schon 1519 an die Reichsstadt Ulm gelangten und 1557 durch Kauf an das Herzogtum Württemberg übergingen. Zur selben Zeit entstanden die woellwarthischen Hütten bei Leinroden und Essingen. Die Fürstpropstei Ellwangen errichtete 1611 einen Hochofen bei Abtsgmünd. Diesem wurden 1614 durch Kauf die Werke Ober- und Unterkochen angeschlossen, da sie sich durch Zollschwierigkeiten bei der Anfuhr der Erze für Württemberg nicht mehr rentierten.

Die Schmelzwerke in Ober- und Unterkochen sowie der Hochofen bei Abtsgmünd bildeten die Vorläufer des späteren Fürstpröpstlich Ellwangischen Hüttenwerks in Wasseralfingen, das nach der völligen Zerstörung aller Werke durch den Dreißigjährigen Krieg entstand. Der Hochofen in Wasseralfingen, der 1671 in Betrieb genommen wurde, entstand am Fuße des Braunenberges wegen des dortigen Erzreichtums und bezog sein Rohmaterial ausschließlich aus den an den Abhängen dieses Berges eröffneten Gruben.

Als erste wurde eine Grube in der "Hirschklinge" am Braunenberg betrieben; ab 1676 wurde das Erz in verschiedenen Gruben in Oberalfingen abgebaut. 1782 waren drei, 1798 sogar sechs Stollen vorhanden, darunter der bis 1818 benutzte Stöcklesstollen und der Clemensstollen (1797 bis 1846 in Betrieb). Um das Grubenwasser abzuleiten, wurde 181,1 der "Tiefe Hilfs und Wasserstollen" angelegt. 1818 wurde der "Wilhelmsstollen" (ursprünglich als Wetterstollen) eröffnet.

In den Jahren 1840/41 entstand die auf das obere Flöz führende "Tagstrecke Nr. V'; gleichzeitig wurde senkrecht unter dieser der "Tiefe Stollen" auf das untere Flöz getrieben. Beide Stollen waren bis 1924 in Betrieb.

1924 wurde der Stollen "Süßes Löchle" erschlossen (oberes Flöz); doch bereits 1925 wurde der Hochofen in Wasseralfingen stillgelegt und der Bergbau eingestellt. 1934 wurde der Abbau im "Süßen Löchle" wieder aufgenommen; zur Verhüttung brachte man das Erz mit der Bahn zur " Gutehoffnungshütte" nach Oberhausen. Doch bereits 1939 endete aus wirtschaftlichen Gründen der Erzabbau in Wasseralfingen.

Der Eisenerzabbau in der Aalener Grube am "Burgstall" (Faber-duFaurStollen) wurde 1888 eingestellt, jedoch zwischen 1939 und 1948 erneut betrieben. Wirtschaftliche Gründe hatten auch hier der Erzgewinnung ein Ende gesetzt.

Seit im Jahre 1803 das Fürstpröpstlich Ellwangische Eisenwerk an den württembergischen Staat gefallen war, erfuhr seine Weiterentwicklung unter der württembergischen Verwaltung einen beachtlichen Aufschwung. Das Wasseralfinger Eisenwerk entwickelte sich zu einein der bedeutendsten des Kontinents und wurde zu einem Begriff schwäbischer Industrieproduktion. Der großen Gießerei wurde ein Walzwerk und eine Präzisionszieherei angegliedert. Um 1860 erreichte der Wasseralfinger Bergbau seinen Höhepunkt. Mit dem Namen des Bergrates Faber du Faur (1786?1855) ist jener Aufstieg unzertrennbar verbunden, der das Hüttenwerk Wasseralfingen zum führenden Betrieb in Württemberg machte und es damit in die vorderste Reihe deutscher Eisenproduzenten aufrücken ließ.

Weiterführende Links zur Geschichte:

Die Geschichte des Bergwerkes ist ein Teil der Geschichte der Schwäbischen Hüttenwerke (SHW), deren Geschichte finden Sie unten unter Schwäbische Hüttenwerke.

Ein Teil der Geschichte des Bergwerkes ist auch die Geschichte der Bergkapelle. Sie finden Sie ebenfalls unten.

Busverbindung

Wegen einer Baustelle auf dem Erzweg ist eine Zufahrt für Busse zum Tiefen Stollen nur über die Hirschbachstraße möglich. Autos können weiterhin über den Erzweg das Besucherbergwerk anfahren.
Bahnreisende können vom ZOB mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis Röthardt fahren und das Besucherbergwerk von dort in ca. 10 Minuten Fußweg erreichen.

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